Ein neuer Tarif in der Tierkrankenversicherung bringt eine Rückwärtsdeckung und die automatische Mitversicherung von anderen Tieren, wenn die eigene Katze oder der Hund versichert wird.
Auch in der Tierkrankenversicherung bietet die Arag-Versicherung mit dem Start ihres neuen Tarifs eine sogenannte Rückwärtsdeckung an. „In kleinem Umfang können Kundinnen und Kunden Krankenrechnungen für ihre Hunde oder Katzen einreichen, die vor dem Vertragsschluss entstanden sind“, erläuterte Arag-Vorstand Matthias Maslaton.
Mit der neuen Rückwärtsdeckung werden „ausgewählte tierärztliche Leistungen“ bis zu einmalig 500 Euro übernommen. Dabei darf der „Schaden“ bis zu drei Monate vor dem Versicherungsbeginn entstanden sein. Das Angebot gilt nur für die Tarif-Varianten „Komfort“ oder „Premium“. Die Neuerung gilt für medizinische Leistungen wie die Behandlung von Bissverletzungen, Frakturen oder Vergiftungen. Bislang war eine Erstattung erst nach Vertragsabschluss und einer Wartezeit möglich.
Rückwärtsdeckung eher Werbegag
Mit dem neuen Tarif verstößt die Arag nun zum dritten Mal gegen ein eisernes Prinzip der Versicherer: Für Schäden, die bereits passiert sind, kann man sich nämlich nirgendwo versichern. Mit Mietrechtsschutz „Sofort“ und Verkehrsrechtsschutz „Sofort“ hat die Assekuranz diese Grenzüberschreitung schon zweimal gewagt. Laut dem Versicherer hätte eine deutliche Mehrheit der Kundinnen und Kunden „großes Interesse an einem rückwirkenden Versicherungsschutz für ihr Haustier. Das gehe aus einer repräsentativen Yougov-Umfrage unter 2.050 Haustierbesitzern in Deutschland hervor.
Tatsächlich ist die Rückwärtsdeckung aber immer stark eingeschränkt. Und die Arag kann vorab prüfen, ob sie den Fall annehmen will. Damit bleibt das „sofortige positive Leistungsergebnis“, mit dem der Versicherer wirbt, mehr oder weniger ein Werbegag.
Teurer Schutz
Laut Vorstand Maslaton wurde der neue Tarif den deutlich gestiegenen Preisen der Tierärzte angepasst. Seit Ende 2022 gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Der Krankenschutz für einen Dackel kostet bei der Arag nun beispielsweise im Premium-Tarif 1.669 Euro pro Jahr, wenn auf eine Selbstbeteiligung verzichtet wird. Bei 250 Euro Selbstbeteiligung reduziert sich der Jahresbeitrag auf 1.337 Euro. Mit festen Selbstbeteiligungen von 150 oder 250 Euro pro Versicherungsjahr, wird das Angebot überschaubarer. Bisher gab es eine prozentuale Beteiligung an den Rechnungen.
Automatischer Zusatzschutz für andere Haustiere
Als zusätzliches Bonbon erhalten Kundinnen und Kunden, die einen Hund oder eine Katze versichern, aber automatisch Krankenschutz für sonstige Tiere, die sie im Haushalt beherbergen. „Das können Hasen oder auch exotische Tiere, wie Schlangen, sein“, erläuterte Maslaton. Der Zusatzschutz ist auf 200 Euro pro Jahr gedeckelt. Tierkrankenversicherungen erleben einen regelrechten Boom in Deutschland. Laut der Wirtschaftsgemeinschaft Zoologischer Fachbetriebe GmbH (WZF) hatten 2023 rund 45 Prozent aller Haushalte einen tierischen Mitbewohner.
Die Zahl der Katzen beläuft sich auf 15,7 Millionen, die der Hunde auf 10,5 Millionen. Laut dem ARAG-Manager Maslaton ist die Durchdringung der Tierkrankenversicherung bei Hunden und Katzen marginal. Sie würde auf sechs bis acht Prozent geschätzt. Das Versicherungspotential ist somit enorm.
Neue Kooperationen möglich?
Demgegenüber sind beispielsweise in Schweden 90 Prozent aller Hunde tierkrankenversichert. „Die Züchter verkaufen dort keine Hunde, wenn die Käuferin oder Käufer keine Versicherung nachweist“, so Maslaton. Ein möglicherweise interessante Vertriebsansatz. In Deutschland kooperieren bisher einige Tierversicherer schon mit Tierärzten. Mittlerweile gibt es wohl über 25 Tierkrankenversicherungen am Markt.
Bei der Arag wird der Löwenanteil der Tierkrankenpolicen über den Ausschließlichkeitsvertrieb an die Tierhalterin oder den Tierhalter gebracht. „Wir arbeiten aber natürlich auch über Versicherungsmaklerinnen und Versicherungsmakler“, bestätigt Maslaton.
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek