Das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen hat die Überschussbeteiligungen von 49 Gesellschaften unter die Lupe genommen. Ein wichtiges Ergebnis: Rund jedes fünfte Unternehmen bietet drei Prozent und mehr.
Die Untersuchung im Detail: Für 2025 hat weniger als die Hälfte der 49 betrachteten Versicherer ihre Überschussbeteiligung erhöht, nur ein Unternehmen hat - nach einem deutlichen Anstieg im Vorjahr - die Beteiligung leicht gesenkt. Der Großteil der Versicherer hält die Überschussbeteiligung aber auf dem Niveau des Vorjahres.
„Unabhängig von einer Erhöhung der Deklarationen liegt die Verzinsung bei fast allen Versicherern mittlerweile bei mindestens zwei Prozent, während rund ein Fünftel sogar drei Prozent oder mehr erreicht. Das ist eine insgesamt sehr kundenfreundliche Entwicklung“, kommentiert Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik & Rating, die untersuchten Zahlen.
Hätten im vergangenen Jahr 37 Versicherer zum Jahreswechsel ihre Überschussbeteiligung angehoben, seien es in diesem Jahr nur noch 18 Gesellschaften. 30 Versicherer würden die Beteiligung an ihren Überschüssen aktuell konstant halten. Das Niveau der Deklarationen erhöhe sich insgesamt minimal.
Die einzelnen Erhöhungen je Versicherer in der Differenz zum Vorjahr variierten von 0,10 bis 0,80 Prozentpunkten. Vier Versicherer würden mit ihren diesjährigen Erhöhungen die 2-Prozent-Marke knacken. Insgesamt böten damit bis auf drei Gesellschaften alle eine Überschussbeteiligung zwischen zwei und 3,25 Prozent. Knapp die Hälfte der Versicherer liege mit ihren Überschüssen zwischen zwei und 2,5 Prozent. 13 Versicherer böten über 2,5 Prozent, blieben aber unter drei Prozent Deklaration. Zehn Gesellschaften böten drei Prozent und mehr. Zwei davon das Maximum von 3,25 Prozent.
Bestimmte eingestellte Tarife wieder im Angebot
Die stabilisierte Lage am Kapitalmarkt sei für Versicherungsnehmer positiv. Neben höheren Überschussbeteiligungen dürften Versicherer nun wieder mehr Garantien aussprechen. Erstmals seit über 30 Jahren wurde der Höchstrechnungszins für 2025 wieder angehoben – von 0,25 auf ein Prozent. Das bedeute, dass Versicherer in ihren Tarifen einen Rechnungszins von einem Prozent verwenden dürfen, wodurch höhere Garantien möglich würden. In den meisten Neugeschäftstarifen werde dieser Zins von einem Prozent als Garantiezins genutzt. Dadurch könnten auch bestimmte Tarife wieder angeboten werden, die übergangsweise eingestellt werden mussten, da die erforderlichen Garantien zuvor nicht darstellbar gewesen seien, beispielsweise Riester-Tarife.
Anders als bei vergangenen Senkungen des Höchstrechnungszinses sind Versicherer jedoch nicht verpflichtet, die Erhöhung mitzugehen. Es kann auch Tarife geben, bei denen weiterhin niedrigere Rechnungszinsen verwendet werden. Dies kommt vereinzelt im Bereich der Biometrie-Produkte vor. In der Altersvorsorge hingegen steht das Ziel im Vordergrund, den Kunden möglichst hohe Garantien zu bieten.
Langfristig gesehen sind die gestiegenen Zinsen ein gutes Zeichen für Versicherungsnehmer, so die Analysten. Der Kapitalmarkt biete bessere Möglichkeiten für die Neu- und Wiederanlage, wodurch eine höhere laufende Verzinsung der Kapitalanlagen erzielt werden könne.
Schrittweises Abschmelzen führt zu zusätzlichen Erträgen
Gleichzeitig sinke die Garantiebelastung der Versicherer, da die Zuführungen zur Zinszusatzreserve nicht mehr erforderlich seien. Das schrittweise Abschmelzen dieser Reserve führe zudem zu zusätzlichen Erträgen. Dies schaffe mehr Spielraum für eine langfristig höhere Überschussbeteiligung – ein Trend, der sich bereits 2023 zeigte und sich weiter verstärke.
Verschiedene individuelle Faktoren spielen eine Rolle
Ob und in welchem Umfang Versicherer ihre Überschussbeteiligungen sowie die Rechnungszinsen im Neugeschäft anpassen würden, hänge jedoch von verschiedenen individuellen Faktoren ab. Die Garantiebelastung des Bestandes, die Struktur der Kapitalanlage und die Geschäftspolitik jedes Versicherers spielten dabei eine entscheidende Rolle. „Die Festlegung der Überschussbeteiligung ist eine sehr individuelle Entscheidung. Derzeit beobachten wir einen stabilen Markt, der Versicherte an der positiven Entwicklung teilhaben lässt und wieder attraktivere Produkte ermöglicht“, ist Saal überzeugt.
Im Mittel lägen die laufenden Verzinsungen der 49 Gesellschaften 2025 bei 2,5 Prozent, im Vorjahr seien es 2,4 Prozent gewesen. Die höchste Beteiligung an den Überschüssen liege weiterhin bei 3,25 Prozent. Diesen Wert erreichten inzwischen zwei Versicherer, im Vorjahr sei es nur ein Versicherer gewesen. Die geringste Verzinsung böte ein Versicherer mit 1,75 Prozent.
Quelle: Morgen & Morgen
Autor(en): versicherungsmagazin.de